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Die Idee hatte damals, anno 1983 noch keinen Namen,
wohl aber zwei Mitglieder (Wolfgang und Willi) der Rockband Frostschutz,
die der Meinung waren, Musik nicht nur zur Unterhaltung zu betreiben,
sondern auch das Nachdenken über jene Welt zu fördern, in der das
Nachdenken über eben diese nicht sonderlich gewollt war. Ein Manko
freilich und an sich keiner Kunst genügend, nicht einmal derer, die für
ihre Welt noch jung und unerfahren waren. Aber sie hatten begriffen,
dass Kunst (so einfach sie auch sei) schlicht und einfach die Welt und
jenes Leben widerspiegelt, in der sie stattfindet. Tut sie das nicht, so
bleibt ihr - nach dem damaligen Verständnis revoltierender Jugend - ja
nur gute Unterhaltung und gutes Handwerk. Der Grundgedanke jener Zeit
war, die Musiker der Folkloreband Crambambuli und Frostschutz zu einem
Projekt zu vereinen und ein Rocktheater zu gründen - also nichts weiter
als Musikalität und Szenerie des Alltags zu verbinden.
Zu jener Zeit hatten einige kulturpolitische Vertreter der Stadt
Jüterbog ebenfalls einen hohen agierenden und gestalterischen Anspruch,
der sich - ihrer Ansicht nach - nicht immer mit den Absichten ihrer zu
"verwaltenden" Bevölkerung deckte. Im Falle der Rockband Frostschutz
wurde zu jener Zeit immer ein Bandmitglied nach dem anderen zum
Wehrdienst einberufen. ... Auch gab es Hemmnisse unter den Mitgliedern
der zwei Bands, solch ein gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen.
Einzigst der Hans hat sich der Idee angenommen und mit anderen Freunden
(Benno, Steffen, Kuddel, Andreas ...) die Gruppe Hahnenschrei im Jahr
1984 gegründet. Damalige Richtlinien der Kulturpolitik verlangten für
ein öffentliches Auftreten eine sogenannte musikalische Einstufung, was
auf natürliche Weise junge Leute, die sich ganz unverbindlich
musikalisch ausprobieren wollten, in die Nische der Kirche trieb.
Speziell in Jüterbog fanden junge Leute einen guten Paten in Pfarrer
Lotz und der evangelischen Gemeinde der Nikolai-Kirche. So gesehen ist
Pfarrer Lotz sogar zweifacher Vater der Hahnenschrei-Formation, denn
hätte er vor seiner Verabschiedung aus dem jüterboger Kirchendienst im
Jahr 2004 nicht den Wunsch geäussert, noch einmal "Hahnenschrei" erleben
zu dürfen, ja dann wäre das Thema sicher vom Tisch gewesen. Bis dahin
aber war es noch eine recht ereignisvolle Zeit. ...
Im Herbst des Jahres 1985 kam es zu Umbesetzungen in der
Hahnenschrei-Formation und somit auch zur Herausarbeitung eines neuen
Programms (Gebrüder Grimm), einhergehend mit recht ergebnislosen
Diskussionen jüterboger Kultur- und Politbehörden. Und wieder trieb man
die jungen Musiker (Hans, Benno, Detlef, Steffen, Willi) in die Kirche.
Da uns öffentliche Auftritte ziemlich unmöglich waren, gab es nur die
Alternative über Auftritte unter dem schützenden Mantel der
Kirchgemeinden. Dank Benno´s guter Kontakte spielte Hahnenschrei zu
dieser Zeit DDR-weit.
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Fotos aus dem Programm "Gebrüder Grimm"
Hans und Detlef in den tragenden Rollen von
"Rotkäppchen und der Wolf". Dem Programm lag die Idee zu
Grunde, dass es die Gebrüder Grimm in früher Zeit nie gegeben hat und
diese erst das Licht der Welt im real existierenden Sozialismus erblickten. Erst
in dieser Zeit begannen sie so seltsame Geschichten zu sammeln, derer
manch eine Figur der Phantasie entspringt. Natürlich wollten die
Gebrüder Grimm ihre gesammelten Werke dann auch der Öffentlichkeit
präsentieren, wozu es natürlich der Genehmigung staatlicher
Behörden bedurfte. ... Mit fortwährender Ablehnung der
"modernen" literarischen Werke trafen einige der uns bekannten
Märchenfiguren mit den Gebrüdern Grimm zusammen, weil auch sie sich
ihrer Existenz bedroht sahen. ... |
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Hans, Steffen und Willi im Konzert ... |
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Hans am Keyboard |
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Benno am Schlagzeug |
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Steffen und Willi |
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Detlef und Willi im Duett ... |
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Post vom Kulturministerium ist
eingetroffen und wieder erhalten die Gebrüder Grimm (Detlef und Willi)
eine staatliche Ablehnung ihrer gesammelten Werke! |
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Den gesellschaftlichen Mangel an
Phantasie und seine Folgen, versuchte "Hahnenschrei" in
kleinen Szenen zu verdeutlichen: Hier straft der Vater (Detlef) seinen
Sohn (Hans), weil er gewisse Normen missachtet hat.
"Vater Staat und seine Kinder" als geistiges Sinnbild einer
verkrusteten Gesellschaft ...
Das Foto lässt natürlich keine Rückschlüsse auf das
Verhältnis zwischen den Bandmitgliedern zu :-) !!! |
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- Frostschutz 1983
- v.l.n.r. Norbert, Mumpel, Willi, Wolfgang
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- Crambambuli 1984
- v.l.n.r. Robbi, Detlef, Hans, Erni, Josef,
Gundel, Carlo, Tina
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Zum Zerfall der Gruppe
Hahnenschrei kam es während er Erarbeitung eines neues Programms (Arche
Noah), als zwei ihrer Mitglieder Ausreiseanträge gestellt hatten. Für
den einen und anderen war so eine gewisse Feinfühligkeit im Umgang mit
den Themen nicht mehr garantiert. Der Grundgedanke, genau hier im Osten
etwas bewegen zu wollen, war nicht mehr gewahrt. So verfolgten die hier
verbliebenen Mitglieder in den weiteren Jahren jeweils andere
künstlerische Projekte. Einige Versuche, Hahnenschrei reinweg
musikalisch wieder aufleben zu lassen, scheiterten zumeist am
Zusammenfinden alter und neuer Bandmitglieder. Schliesslich das besagte
Jahr 2004, in dem Hans, Detlef, Willi, Erni, Wolfgang, Michi und
Johannes zusammenfanden, um Pfarrer Lotz aus seinem aktiven Dienst der
Kirchgemeinde zu verabschieden. Speziell für dieses kleine
Abschiedskonzert erarbeitete Hahnenschrei mehrere neue Titel - die Basis
dafür, dass bis heute Hans, Erni, Michi und Willi sich die Freude am
gemeinsamen Musizieren bewahren.
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